Freitag, 20. April 2007

Analyse der Spielmechanik versus Spielspaß

Neulich war ich Teilnehmer bei einem Planspiel, bei dem man eine Ware produzieren und diese dann möglichst gewinnbringend verkaufen mußte. Die Planung erfolgte auf Papier, wonach die Spielleitung dies anschließend in einen Computer eingab, welcher die Ergebnisse berechnete.

Was das mit Brettspielen zu tun hat? Einiges. Aber zunächst kurz weiter im Planspiel.

Mein Team war schon nach der ersten Runde fast bankrott. Unser Plan - hohe Warenqualität, hoher Preis - ging nicht auf.

Plötzlich, die Eingebung: vergiss das ganze Drumherum. Betrachte das Planspiel als das, was es ist - ein Jonglieren mit Zahlen. Und das bedeutete letzten Endes: möglichst viel produzieren, was geringe Produktionskosten bedeutet. Jede andere Strategie wurde vom System bestraft.

Wir haben zwar nicht gewonnen, dafür war der Anfang zu schwach, aber plötzlich waren unsere Ergebnisse konkurrenzfähig (zumindest, wenn man den miserablen Beginn einrechnet). Der entscheidende Unterschied für unser Team: vorher haben wir so getan, als wären wir tatsächlich am Markt tätig; die Wende kam, als wir das Spiel als Spiel betrachtet haben.

Ähnlich wie bei diesem Planspiel kann man auch bei Brettspielen vorgehen: achte nicht auf das Setting, auf die Story, auf das Thema - überlege nur, wie das Spiel funktioniert, welches Vorgehen spielmechanisch welche Auswirkungen hat. Kurz: versuche, die Mechanik zu durchdringen. Deine Gewinnchancen werden steigen.

Je abstrakter das Spiel, desto naheliegender ist dieses Vorgehen. Und, klar, gewinnen wollen wir alle. Doch wo hört der Spielspaß auf und fängt die Analyse an? Kann übermäßige Analyse das Spiel "zerstören"?

Das wirft eine weitere Frage auf: warum spielt man welches Spiel? Aber das führt nun wirklich zu weit...

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sicherlilch wollen wir alle beim Spielen gewinnen...

...allerdings steh ich auf dem Standpunkt, dass gewinnen auch nicht alles ist!

Oftmals ist ein Spiel, was unendschieden ausgeht, besser als ein deutlicher oder auch nur ein knapper Sieg.

Bei einigen Spielen bin ich bereit möglicherweise sogar zu verlieren, wenn das "Setting und die Story" stimmt.
So hab ich bei einem Brettspiel mal verloren, weil ich keine Söldner angeheuert hatte. Das wäre durchaus im Rahmen der Spielregeln gewesen. Geld hatte ich genug, Material und Sölnder waren vorhanden. Ich hab drauf verzichtet, weil die Partei, die ich spielte, dem Samuraigedanken nachhängen und Söldner keine Krieger sind, mit denen man in den Kampf zieht.

Spielt so gut ihr könnt und nach den Möglichkeiten, die Euch das Spiel bietet. Denkt aber daran, dass manchmal ein gutes, verlorenes Spiel mehr wert ist, wenn man ganz in der Story aufgegangen ist.

Stefan hat gesagt…

Ein Problem tritt auf, wenn nicht alle den Schwerpunkt auf "Rollenspiel" (und darum handelt es sich mehr oder weniger, wenn du beispielsweise die Samurai wie Samurai spielst) legen - wenn bei einem Spiel zu Dritt nur einer versucht, mit allen (legalen) Mitteln das Spiel zu gewinnen, steht der Sieger schon vorher fest.

Aber ich weiß, was du meinst - beim "Ringkrieg", wenn ich die "Freien Völker" spiele, versuche ich auch immer, die Gemeinschaft zum Schicksalsberg zu bringen, und nicht einen militärischen Sieg zu erringen, denn die Hoffnung der "Freien Völker" lag nun mal in der Vernichtung des Ringes. Allerdings: diese Strategie wird vom Spiel nicht bestraft, im Gegenteil.

Worauf ich hinaus will: ein Brettspiel, daß sich ernsthaft bemüht, Setting und Spielgeschehen in Einklang zu bringen, belohnt (oder bestraft zumindest nicht) "rollenspielerisches" Vorgehen. Ist dies nicht so, bietet sich dieses Spiel nur bedingt dazu an, "Rollenspiel" zu betreiben.

Serdar hat gesagt…

Hallo!

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Ich bin Betreiber einer ähnlichen Seite wie Ihre (http://spielelust.net/blog) und möchte hiermit freundlich anfragen, ob es möglich wäre, dass Sie mich in Ihren Blogroll mit aufnehmen könnten.

Ich wäre Ihnen hierfür sehr dankbar und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Serdar Dedemen

Multi Asset hat gesagt…

Danke für den Artikel super infos.

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