Samstag, 7. April 2007

Mechanik und Konzept - Henne und Ei?

Was ist beim Spielen wichtiger: ein Spiel, dessen Mechanik (Regeln) funktioniert, oder dessen Thema (Setting, Konzept) ansprechend ist? Beides, klar. Zurück auf Anfang.

Wir werden uns schnell einig sein, wenn ich behaupte, dass ein Spiel noch so interessant sein sein kann - wenn die Regeln nichts taugen macht es keinen Spaß. Doch hier kommt das unausweichliche "aber": für mich persönlich steht das Konzept, das Setting, das Thema - kurz, das "Worum-es-geht" - an erster Stelle. Wenn mich das Thema nicht interessiert, kann die Mechanik noch so gut sein, das Spiel wird im Regal verstauben. Im Idealfall gehen deshalb Regeln und Thema Hand in Hand.

Ein Gegenbeispiel: "Durch die Wüste". Reiner Knizia beweist wie üblich, dass er ein Meister der Spielmechanik ist. "Durch die Wüste" ist durchdacht, ausbalanciert, interessant. Die Aufmachung des Spiels ist auch ok, vorausgesetzt, man kann den Anblick von Pastellkamelen ertragen. Aber (da ist es wieder) macht es Sinn, dass ich mit meinen Kamelen, die ja als Karawane "Durch die Wüste" ziehen, andere Karawanen blockieren kann? "Das ist mein sandiger Trampelpfad, such dir gefälligst einen eigenen!" - wer sich als Karawanenboss von solcher Dreistigkeit beeinflussen läßt, ist bald keiner mehr.

Bei den meisten europäischen Spielen scheint die Mechanik der Ausgangspunkt der Entwicklung gewesen zu sein. Die Entwickler feilen an den Regeln, und wenn sie mit diesen zufrieden sind, wird ein Thema sozusagen aufgepfropft. Ganz anders bei amerikanischen Spielen: hier werden ausgehend vom Thema Mechaniken entwickelt.

Nun soll das nicht bedeuten, daß amerikanische Spiele den europäischen überlegen wären. Denn auch hier wieder das "aber": viele der amerikanischen Spiele zeichnen sich durch ein überwältigendes style over substance aus. Das Setting ist interessant, die Spiele sind sehr aufwändig gestaltet, aber an den Regeln hapert es häufig.

Doch das muß nicht sein, oder? Folgende Frage wären zu beantworten: Können wirklich gute und ausbalancierte Regeln nur unabhängig vom Thema entwickelt werden? Ich denke: nein. Schwieriger ist es schon, aber wenn es klappt, wird das fertige Spiel umso überzeugender sein.
Google